Wir freuen uns über eine Anerkennung unseres Entwurfs im Planungswettbewerb Zukunft Stadthaus-Areal.
Das Bonner Stadthaus ist ein Kind seiner Zeit, Ausdruck eines optimistischen, technokratischen Aufbruchs, der Stadt und Verwaltung auf einer eigenen Ebene über dem Straßenlärm schwebend dachte. Was als visionäres Konzept begann, hat sich im Laufe der Jahrzehnte als strukturelle Abkopplung erwiesen: Die durchgehende +1-Ebene, einst Ausdruck der autogerechten Stadt mit ihrer Trennung von Fuß- und Fahrverkehr, steht heute einer selbstverständlichen urbanen Einbindung des Areals entgegen. Sie erschwert die Auffindbarkeit der Gebäudezugänge, macht die Türme schwer erreichbar und die Freiräume unwirtlich.
Unser Entwurf begreift genau diese Ebene als zentralen Ansatzpunkt der Transformation. Kein spektakulärer Neuauftritt, sondern eine präzise, respektvolle Intervention im Bestand: gezielter Rückbau dort, wo die +1-Ebene Stadt und Gebäude trennt, Erhalt und Weiterbau dort, wo Substanz Qualität besitzt und als Ressource dient. Die fünf Türme werden durch diese Operation wieder das, was sie immer hätten sein können, markante Orientierungspunkte im Stadtgefüge, weithin sichtbar und identitätsstiftend für ein Quartier, das sich heute neu zur Stadt öffnet.
Durch Rückbau und Neuprogrammierung entsteht neuer Lebensraum. Die erhaltenen Flächen der +1-Ebene heißen die Stadtgesellschaft als einladende „Piers“ willkommen und werden zu attraktiven nachbarschaftlichen Begegnungsräumen umgedeutet. Die neu gewonnenen, großzügigen grünen Freiräume werden durch erdgeschossige, öffentlichkeitswirksame Nutzungen aktiviert, anstelle von Parken treten Stadtleben, Kultur und Nahversorgung. Die Türme erhalten eigene Adressen zur Stadt. Das Stadthaus wird so vom Solitär zum Stadtbaustein und von der Verwaltungsmaschine zum Ort der Stadtgesellschaft.
Wir danken ora, knippershelbig, rabe landschaften, Transsolar und hhpberlin für die gute Zusammenarbeit.
Herzlichen Glückwunsch an SCOPE Architekten zum ersten Preis.
Visualisierung: PONNIE Images